Merzgedicht I
von Kurt Schwitters

O du, Geliebte meiner siebenundzwanzig Sinne, ich
lieber dir! – Du deiner dich dir, ich dir, du mir.
- Wir?
Das gehört (beiläufig) nicht hierher.
Wer bist du, ungezähltes Frauenzimmer? Du bist
- bist du? – Die Leute sagen, du wärest – laß
sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht.
Du trägst den Hut auf deinen Füßen und wanderst
auf die Hände, auf den Händen wanderst du.
Hallo deine roten Kleider, in weiße Falten zersägt.
Rot liebe ich Anna Blume, rot liebe ich dir! – Du
deiner dich dir, ich dir, du mir. – Wir?
Das gehört (beiläufig) in die kalte Glut.
Rote Blume, rote Anna Blume, wie sagen die Leute?
Preisfrage: 1.) Anna Blume hat einen Vogel.
2.) Anna Blume ist rot.
3.) Welche Farbe hat der Vogel?
Blau ist die Farbe deines gelben Haares.
Rot ist das Girren deines grünen Vogels.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid, du liebes
grünes Tier, ich liebe Dir! – Du deiner dich dir, ich
dir, du mir, – Wir?
Das gehört (beiläufig) in die Glutenkiste.
Anna Blume! Anna, a-n-n-a, ich träufle deinen Namen.
Dein Name tropft wie weiches Rindertalg.
Weiß du es, Anna, weißt du es schon?
Man kann dich auch von hinten lesen, und du, du
Herrlichste von allen, du bist von hinten wie von
vorne: a n n a
Rindertalg träufelt STREICHELN über meinen Rücken.
Anna Blume,
Du tropfes Tier,
Ich——-liebe——-Dir!

Hier nun das historisches Plakat:
annablume

 

Ohne Worte

Leise Töne Deiner nahenden Schritte
Und der Duft von Dir
Fanden den Weg zu meinen Sinnen
Erschreckten und beglückten sie sehr

Verwirrt und allein
Trafst Du mich an
Deine melodische Stimme erklang
Und schlug mich in Deinen Bahn

Du sprachst mich an und gingst
Wühltest meine Sinne und mein Herz auf
Ließt mich allein
Hoffend und sehnend zurück
Der Tag – der so schön begann
Mit Sonnenstrahlen und Vogelzwitschern
Endete wunderschön durch Dein Antlitz
Dafür – vielen Dank

01.05.1993, Weinloch, für C.

 

Drogenrosenmond

Du kennst das Gewitter
Die Blitze und den Donner
Der Duft der folgt
Die wirbelden Wolken
In all ihrer Pracht
Der verschiedenen Farben
Du kennst die Kraft
Dieser Naturgewalten
Und ich kenne die Gewalt
Die Du über mich hast
Du kennst
Diese Himmelssäule
Die schwirrt übers Land
Die alles aufreißt
Was nicht gefestigt ist
Und mit sich nihmt
Wenn Du nicht da bist
Stehe ich allein inmitten
Dieses Phänomens
Wenn Du da bist
Fliegen meine Sinne empor
Hinauf in diesem Himmel
Der Du für mich bist

Saarbrücken, 03.07.1996, für Esther

 

Rosenrot

Wenn Du da bist
Ist für mich die Sonne aufgegangen
Wenn Du nicht da bist
Ist für mich finsterste Nacht
Wenn ich an Dich denke
Bin ich berauscht von dem Glück
Das wir uns begegnet sind
Meine Sinne scheinen zu schwinden
Durch Deine Anwesenheit
In meinem Herzen
In meinen Gedanken
Was soll ich nur tun
Als mich – mein Kopf
In einem – mein Wesen
Vor Dir zu beugen
Und letztlich in Deinen Schoß zu legen
Um dann von Deinen Händen
Umhalten zu werden
So daß ich vollends
Aufblühe zu der Rose
Die Du für mich bist

Saarbrücken, 27.06.1996, für Esther

 

Vergangenheit

Manche sagen
Das man durch sie lerne
Manche sagen
Das man sie vergessen sollte
Ich lernte durch sie
Doch verletzte sie mich auch
Vergessen will ich sie nicht
Zu schön waren manche Stunden
Zu unerwünscht waren andere
Stunden die mich formten
Zu etwas was ich heute bin
Ob es gut oder schlecht ist
Vermag ich nicht zu sagen
Das wird die Zukunft zeigen
Die Vergangenheit ist etwas schönes
Etwas was dich einholt
Wenn es dir schlecht geht
Wenn es dir gut geht
Immer und überall
Man kann darüber lachen
Oder weinen
Doch eins das bleibt
Die Vergangenheit

 

Ich wollte Ich selbst sein

Ich ging
Und ging ins Nichts
Ich stand da
Und stand da nicht
Ich wollte mich fühlen
Und fühlte nichts
Ich fiel
Und fühlte nichts
Ich schlug auf
Und fühlte nichts
Ich lag da
Und fühlte nichts
Ich wollte aufstehen
Und konnte nicht
Ich wollte nicht mehr
Da sah ich Dich

 

Ich warte hier

Lange rannte ich durchs Leben
Ohne wirklich über meine Gefühle
Und Träume nach zu denken
Nahm alles hin
Ohne zu wissen
Wieso und warum
Doch nun liege ich hier
Denke nach
Was war
Und was kommt
Denke daran
Wie schön es war
War mir Dir
Doch Du sitzt da
Nebenan
Im anderen Raum
Schaust fern
Fern von mir
Und ich liege hier
Denke an Dich
Wie schön es war
War
Ich liege hier
Denke und träume
Von Dir
Will Dich hier
Hier fühlen
Und sehen
Doch Du
Du sitzt nebenan
Weit weg von mir
Und willst nicht
Zu mir kommen
Willst nicht mich
Und ich will nicht
Zu Dir kommen
Und sagen
Bitte
Nein
Ich warte hier
Warte auf Dich
Doch Du
Du kommst nicht
Du bist allein
Allein mit Dir
Allein ohne mich
Ich liege hier
Denke nach

Und frage mich
Warum
Warum bist da
Und nicht hier
Bei mir
Ich weiß es nicht
Möchte nicht fragen
Und sagen bitte
Nein
Nicht mehr
Möchte Dich nicht drängen
Möchte Dich hier
Ich warte
Auch wenn es
Ewig dauert
Ich warte

 

In eine andere Dimension

Ein Raum ohne Grenzen
Ohne Ecken und Kanten
Ohne Boden und Wände
Ein schwarzer Schein
Im weißen Licht
Eine Frau und ich
Ein Augenblick
Ein Biß der Schlange
Und die Hüllen fallen
Entfaltet sich die Frau
Und Sie und ich verschmelzen
In dem Raum ohne Grenzen
Nahe dem weißen Licht

 

Gedicht

Nebelschwaden ziehen durchs Land
So süß und fein wie die Herrlichkeit
Eines Schmetterlingsfluges
Erleuchten den Tag wie ein Traum
Er scheint so wundervoll, so mild und klar
Das die Sonne scheint
Öffnet die Herzen von uns allen
Läßt Freud und Glück in uns sprießen
Wie die Herrlichkeit eines Wasserfalles
Tropfen glitzern, funkeln und strahlen
Wie die Sterne in einer Vollmondnacht
Wie der Stoff aus dem die Träume sind
Dies ist mein Gedanke, mein Traum meines Lebens
Der die Liebe als das Schönste im Leben hält

 

Für die Frau meines Lebens
Für die Frau meines Herzens und Seele
Für die Frau die mir zeugte
Wie und was ich war
Bin und sein werde
Für die Frau
Die Du bist
Du und nur Du

Du bist in Spanien
Du bist bei Deiner Liebe
Ich – ich bin hier
Und Du bist meine Liebe
Ich bin hier
Weit weg und doch ganz nah
Denn immerzu
Wenn ich die Augen schließe
Und in den Tag hinein sehe
Sehe ich nur Dich
Dich und nur Dich
So – daß ich glaube
Daß Du hier bist
u bist in meinem Herzen
Du bist mein Halt
Der Sinn
Warum sich das Leben lohnt
Denn Du verkörperst das Schönste
Für mich auf dieser Welt
Das Höchste
Was man erreichen kann
Was man sich wünschen
Und erträumen kann
Du bist meine Liebe

Ist der Sinn des Lebens
Nicht der
Die Liebe zu leben
Ist nicht die Liebe
Als reines solches
Das Höchste was ein Herz
Ein Leben widerfahren kann
Nicht nur das Herz
Sondern auch der Verstand
Das Tun und Handeln
Gegenüber sich selbst
Und anderen
Ist die Liebe nicht wunderbar

Doch liebe ich Dich

Ich weis es nicht – nicht ganz
Doch was ist die Liebe
Ist die Liebe nicht Hoffnung
Toleranz und Verständnis
Mehr Geben als Nehmen
Ist die Liebe nicht etwas
Was man nicht verstehen sollte
Was man nicht verstehen kann
Denn – wenn man weis
Was die Liebe ist
Ist die Liebe
Dann noch Liebe

Ist die Liebe nicht vergleichbar mit dem Glauben
Die Vorstellung eines Gottes
Ist das Höchste Ideal
Woran man glauben kann
Doch was ist „Gott“
Ist Gott nicht etwas
Was man nicht verstehen sollte
Was man verstehen kann
Denn – wenn man es weis
Glaubt man dann noch

Und die Liebe – ist die Liebe
Nicht der Glaube an dieses Ideal
Von beiden sollte man kein Bildnis machen
Denn sonst glaubt – liebt man nicht mehr
Sondern erträgt den anderen nur noch
Doch ich glaube an Dich
Dich – meine Liebe
Doch wissen tue ich es nicht
Und ich will es nicht wissen

Wissen – was weis man schon
Gibt es ja oder nein
Schwarz oder weiß
Ich weis – das ich Dich vermisse
Mich nach Dir sehne
Traurig und voller Hoffnung bin
Wenn ich an Dich denke
Was doch immer wieder ist
Vergeblich ist es Dich zu verdrängen
der versuch Dich zu vergessen
Es geht einfach nicht
Ob meine Augen geschlossen sind
Der Tag hell ist

Die Nacht dunkel
Sterne – Mond oder die Sonne scheinen
Egal die Zeit – Raum und Ort
Stehend in Massen oder allein
Alles ist gleich
Ich denke an Dich
Tag ein – Tag aus
Warte auf Dich
Wenn Du nicht da bist
Warte darauf
Das Du zu mir kommst

Die Stunden zerrinnen nur langsam
Von den Tagen ganz zu schweigen
Und die Träume und Erinnerungen
Doch ich bin glücklich
Darüber – das es Dich gibt
Das es so ist und nicht anders
Und weist Du es nun
Weis ich es
Was ich für Dich fühle

Wie es war – früher
Mit Dir – Mir
Mit uns

Weist Du noch
Als wir uns kennen lernten
Nicht das „Kennen“
Was davor war
Nein – das was uns
Und vor allen dingen mich
Betroffen und offen gemacht hat
Ich fühlte mich verzaubert
Verängstigt – klein und ganz groß
Weil ich als reines solches
Vor Dir stand
So wie man mich erschaffen hat
Rein und klar
Ohne Vorbehalte und Mauern
Voll mit Möglichkeiten

Ich bin Dir hinterher gefahren
Aus einem Gefühl heraus
Ein Gefühl – das nach mehr
Viel mehr als ich ahnte
Schrie und forderte

Ich wußte es damals noch nicht
Wie Du mein Leben veränderst
Erst jetzt fange ich langsam an
Zu verstehen
Was damals geschehen ist
Du hast mich geformt
Wie ich jetzt bin
Bin – aber nicht immer war
Du hast mich geöffnet
Die Mauern
die mich umgaben
Herunter gerissen
Du hast mich
Der Welt anschaubar gemacht
Indem Du mir Zärtlichkeiten
Und sehr viel Geduld
Entgegen gebracht hast

Weist Du noch
Wie die sonne schien
Wir standen neben unseren Rädern
Neben den Schulen
An der Kreuzung
Wo mögen wohl die Straßen hinführen
Die sich dort kreuzen
Werden sie gemeinsam
Den Weg durchschreiten
Ein wundervoller Tag
Ein Tag – den ich nie vergessen werde
Denn dies war der Tag
Der am wichtigsten
In meinen bisherigen leben
Für mich war
Der Tag
An dem ich Dich kennen lernte

Weist Du noch
Was damals geschehen ist
Wie unsere Lippen
Sich das erste mal berührten
Damals war es um uns geschehen

Weist Du noch
Als Du mir das erste mal sagtest
Daß Du mich liebst
Ich war erschrocken – bestürzt
Mir war auf einmal klar

Was das Wort Liebe bedeuten kann
Es war eine vollkommen neue Welt
Die sich mir da
In wenigen Augenblicken offenbarte
Mit ungeahnten Horizonten
Möglichen Wirklichkeiten
Und tiefsten Abgründe
All das auf einmal
Hat mich fast erschlagen

Bin ich so
Das ich der Richtige bin
Bin für Dich – bin ich so stark
Wie du glaubtest
Bin ich das – ich war es nicht

Zeit der Reife und Einsicht
Hatte ich nun genug
Jetzt weis ich es
Was das Wort Liebe
Für zwei Menschen
Wie Du und ich es sind
Bedeutet
Und dies gibt mir Stärke genug
Doch nimmst Du mich noch an

Das Gespräch – das wir führten
Bei mir am langen Tisch
Da warst Du sehr offen
Sehr direkt – was mich betroffen
Aber auch bereit gemacht hat
Du hast mir damit gezeigt
Wie wichtig Du mir bist
Und was es bedeutet
Dich zu verlieren

Dich zu verlieren
Verlieren – ein Wort
Daß das alles beinhaltet
was das bedeuteten kann
Gibt es gar nicht
Außer
Dieses Wort bist Du
Alles – Freude und Glück
Alles – was irgend einen Sinn hätte
Würde ich verlieren
Und es würde eine gähnende Leere

Voller Verzweiflung
Ein dauerndes Sehnen nach Dir
Mich beherrschen
Ich wäre nur noch ein Schatten
Meiner selbst
Der immer kleiner würde – um dann
Sehr bald ganz zu verschwinden

Doch Du
Was fühlst Du
Was bringst Du mir entgegen
Sind Deine Gefühle so stark
Um mich in all den Jahren
Die noch kommen werden
Zu ertragen
Als Deinen Partner für das Leben
Zu betrachten und anzuerkennen
Mit mir Glück und Unglück zu teilen
Ob Du genauso für mich
Wie ich für Dich
Immer da bist
Sind sie so

Das Leben kann so wunderbar sein
So wunderbar schön
Wenn man etwas hat
Woran man glauben kann
Und ich glaube an Dich
An die Zukunft
Die wir beide haben
Es wird zwar Hochs und Tiefs geben
Aber immer
Immer
Wird es uns geben
Uns – die wir uns lieben

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