Archiv für Dezember 1994

Blick in mich

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedichte, geschrieben am 28. Dezember 1994 von jop

Blick in mich

Laut und aufdringlich
Schleicht sich die Unruhe
In meinen Geist ein
Sie ruft und ruft
Doch die Wörter
Verstehe ich nicht

Laut und aufdringlich
Belastet sie mich immer mehr
Kreist mich langsam ein
Belastet immer mehr mein Herz

Laut und aufdringlich
Sind ihre Wörter
Doch sagen sie mir nichts
Zu meinen Fragen

Laut und aufdringlich
Spüre ich ihre Warnung
Doch die Gefahr
Erkenne ich nicht

Zu laut und zu aufdringlich
Ist meine Sturheit
Um die Antworten
Zu verstehen

Havelse, 28.12.1994, 23.15 Uhr

Das Tor zur Welt

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedichte, geschrieben am 3. Dezember 1994 von jop

Das Tor zur Welt

Ich stehe davor
Verschmutzt
Verdreckt am ganzen Körper
Kleider wie Fetzen gleich
Hängen an mir herunter
Meine Schuhe
Haben den Glanz längst verloren
Wie meine Augen
Sie sind feucht
Feucht
Fast schon naß
Von den Tränen
Die ich weinte
Sie rollten die Wangen herunter
Sowie meine Träume immer mehr verblaßten
Die Gegenwart zu nah
Zu nah die Gedanken
Und zu tief
Wühlten sie mein Herz durcheinander
Die Gedanken
Die Träume
Die ich hatte
Und doch eigentlich noch habe
An das
Was ich schon immer wollte
Das Schönste
Was es für mich
Auf dieser Welt
Zu bekommen es galt und gilt
Die Liebe
Geliebt zu werden
Geliebt von Dir
So stehe ich nun da
Vor dem Tor
Verdreckt
Mein Kopf
Mein Herz voll mit Träumen
Gefühle und Wünsche
Die ich nicht auszuleben vermag
Hindern mich daran zu leben
Oder wie immer man es nennen mag
Das was ich bis heute getan haben
Ein Feuer gleich in mir
Stehe ich nun da
Vor dem Tor
Schaue mich an
Nach links
Nach oben
In den Himmel hinein
Sehe die Vögel fliegen
Singend
Fliegen sie den Horizont entlang
Der für mich immer so klein
So unüberwindlich war
Mit meinen kleinen Schritten
In den kaputten Schuhen
In denen aber meine Zehen
Durch die Löcher
In die Welt lachten
Sie lachten die Welt aus
Und mich
Doch sie trugen mich
Bislang
Mein ganzes Leben lang
In einem Bogen
Spannt sich das Tor
Von links nach rechts
Oder anders herum
Fest verankert
In zwei steinernen Pfeiler
Prangert es mir entgegen
Ein Schild hoch oben
Genau in der Mitte
Am höchsten Punkt
Glitzert in der Sonne
Wirft Funken und Strahlen
Um sich herum
Bringen den Boden
Auf dem ich stehe
Zum Glühen und Beben
Lassen Spalten schlagen
Aus denen Blumen wachsen
Sie sind so hell und prächtig
Völlig verschieden in ihrer Pracht
Und ihr Duft zergeht in der Nase
Ihre Farben
Ihr Glanz
Spiegelt sich auf meinen Schuhen wieder
Bleiben haften
Steigen empor
Lassen Hose und Hemd hinter sich
Alles verfärbt sich
Wird wieder schön
Wieder lebendig
Ich richte mich wieder auf
Zu meiner ganzen Größe
Wie schon lange nicht mehr
Atme dabei tief ein
Als ob ich alle Düfte
Alles Leben in mir haben wolle
Lasse meine Lungen
Von diesem Duft fast zerspringen
Fühl mich wieder wohl
Bin wieder da
Zuhause
Da
Wo ich hingehöre
Öffne meine Augen
Schaue dabei nach oben
Sehe das Schild
Worauf es steht
Das was mich wieder
Zum Leben bringt
Meine Gedanken
Meine Gefühle
In einem mein Ich
Sie lächeln wieder
Haben wieder Hoffnung
Wissen
Das kann keiner ihnen nehmen
Diese Hoffnung
Die schönen Augenblicke in der Vergangenheit
Die Gedanken an Dich
Die Hoffnung auf Dich
Dich wieder in den Armen zu halten
Dich sprechen zu hören
Deine Augen lächeln zu sehen
So das sie mein Herz
Zum Schwingen bringen
Zum Tanzen gar
In Takt
In denen sie blinzeln
Verzaubert
Ganz mitgenommen
Von ihrem Glanz
Ihrem Farbenspiel
Ich bin wieder da
Um Dich zu halten
Um Dich zu lieben
Das sehe ich
Stehend vor dem Tor
Spüre ich Dich ganz nah
Fühle deine Finger
Wie sie meine berühren

Wie sie sich umschließen
Merke die Wärme
Die Liebe
In mir aufsteigen
Und so gehen wir
Durch das Tor
Das Tor zur Welt

Schmerzende Lust

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedichte, geschrieben am 3. Dezember 1994 von jop

Schmerzende Lust

Das was wir mögen
Das an was wir uns lehnen
Was uns schwelgen
Und träumen läßt
An das wir uns erinnern
Auch wenn es lange her ist
Wonach wir uns sehnen
Was so selten ist
Daß wir uns daran erwärmen können
Daß wir ihm nachtrauern
Dem schönen Seltenen
Das uns widerfährt
Eine Zärtlichkeit – Ein Lob
Daß was uns trifft
In unserer Zeit
Des Alleinseins
Wonach wir
Nach mehr schreien
Und es ungehört bleibt
Daß wir schreien
Wenn wir es nicht bekommen
Und noch mehr und lauter
Wenn es erhört wird
Steigern wir uns
In unsere Erinnerungen
Und laben uns daran
Daß wir uns den Mund verbrennen
Durch den Schmerz erwacht
Erkennt man das schöne Seltsame daran
Daß es gerade so selten ist
Daß es uns auffällt
Wenn wir es vermissen

Der Regenbogen

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedichte, geschrieben am 3. Dezember 1994 von jop

Der Regenbogen

Die Grotte des Glücks
In der wir uns befinden
Die so bläulich warm schimmert
Dieses Bächlein
Das so ruhig und beschaulich
Den Berg herunter rinnt
Diese Wassertropfen
Die in der Luft herum schwirren
Die so klein und zierlich sind
Das sie all die vielfältigen Farben
Der holden Natur widerspiegeln
So warm – behaglich und geborgen
Erscheinen sie uns in ihren blauen
Weißen Farben – Der Farn der so grün ist
Wie die Hoffnung – In der wir uns wonnen
Betäubt uns mit seinem Duft
Läßt uns die Grotte des Glücks
Endlos in der Zeit erscheinen
Als ob es kein Anfang – Und kein Ende gibt
Der seichte Nebel der uns umgibt
Diese erleichternden wirkenden
Bläulich schimmernden Wasserschwaden
In der Luft – Lassen uns in das Gefühl
Der reinen Glücks hinein schweben
Diese Farben der Natur – Das rote Warm
Die grüne Hoffnung und die blaue Treue
Die am Himmel erscheinen
Die uns mit Geborgenheit umhüllen
Sind so unbeschreiblich schön
So lieblich – Wie Du
Du – Mein Regenbogen

Allein

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedichte, geschrieben am 3. Dezember 1994 von jop

Allein

Allein am Tisch
Allein in den Tag
Allein – Allein
Allein
Gedanken – die das Gefühl
Der Einsamkeit aufzeigen
Ziehen in meinen Kopf
Winden und schlängeln
Sich durch in hindurch
Befehlen mir mich zu betrinken
Doch ich
Ich will nicht
Vertieft in der Vergangenheit
Sitze ich da
Denk an das Schöne
Was einmal war
War
Doch Du
Du bist nicht da
Warum – das frage ich mich
Wohl weil ich selber
Der Grund bin
Und war
Doch die Zeit – nahm ich an
Heilt diese Wunden
Oder nicht
Einsamkeit erträgt sich leichter zu zweit