Archiv für Oktober 1994

Der weiße Kristall

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedichte, geschrieben am 24. Oktober 1994 von jop

Der weiße Kristall

Die unbekannte Frau
Geht die Straße entlang
Ihr Gesicht ist umweht
Von Ihrem Haar
Doch ein kurzer Augenblick
Dieses elenden Tages genügt
Die Frau Die ich im Traum sah ist Sie
Sie dreht sich um und geht auf mich zu
Schritt auf Schritt verkürzt Sie ihren Weg
Die Hitze Ihrer Nähe wird immer stärker
Eine Handbreit bleibt Sie vor mir stehen
Meine Arme wollen Diese Frau umschließen
Und greifen in die Leere

24.10.1994, 23.30 Uhr, Saarbrücken

Die Unbekannte I.

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedichte, geschrieben am 24. Oktober 1994 von jop

Die Unbekannte I.

Wärme umschmeichelt meinen Körper
Die Sinne entschwinden lautlos
Die Last des Tages gleitet zum Boden
Auf Samt gebettet stehe ich in der Nacht
Die Vielzahl der Sterne ist grenzenlos
Losgelöst entschwindet meine Seele am Horizont
Die Wunder der endlosen Nacht heilen meine Wunden
Geheilt wandert meine erquickte Seele nach Hause
Wach geküßt
Durch das farbenprächtige Spiel der Morgensonne
Entsteht wieder der Traum einer warteten Liebe
Eine unbekannte Frau auf der Straße
Dreht sich zu mir um
Und geht

24.10.1994, 23 Uhr, Saarbrücken

Fenster zum Hof

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedichte, geschrieben am 15. Oktober 1994 von jop

Fenster zum Hof

In meinem Zimmer
Gibt es ein Fenster
Es zeigt zum Hof hinaus
Wenn ich aus diesem Fenster schaue
Sehe ich viele andere Fenster
Manche mit Gardinen
Andere mit Rolladen
Und andere wieder völlig ohne Schutz
Vor fremden Blicken
Die meisten dieser Fenster
Sind geschlossen
Aber einige wenige sind offen
So daß
Das Leben
Ungehindert hinein kommen kann
Am liebsten sehe ich
Wenn ich am Fenster stehe
Diesen freien Menschen zu
Die ohne den Sichtschutz auskommen
Diese Menschen
So glaube ich
Sind ungezwungener
Als die anderen
Den Ihnen ist Ihre Freiheit wichtiger
Als die Normvorstellungen
Ihrer Nachbarn
Und das
Bewundere ich an Ihnen
Ihre Gelassenheit
Und mir ermöglichen sie
Einblicke in das Leben zu werfen
Ohne daran beteiligt zu sein

15.10.1994, 19.10 Uhr, Saarbrücken

Saarbrücken

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedichte, geschrieben am 15. Oktober 1994 von jop

Saarbrücken

Fern von zu Hause
Fern von den Menschen
Die ich bisher kannte
Fern von den Menschen
Die mir bisher beistanden
Nun – in einer fremden Stadt
Bin ich wieder allein
Wie so oft
Und daher daran gewöhnt
An dieses Gefühl
Und gerade dieses Gefühl
Des Alleinseins
Gibt mir die Hoffnung
Gibt mir den Halt
Wie es bisher mein zu Hause
Getan hat – Dieser Halt
Der in mir ist
Ist der Halt – An mir selbst
Und ich bin froh
Daß ich mich heute
Für gut genug halte
Um mit mir allein zu sein
Und das soll mir
Erst mal genügen
In dieser fremden Stadt
Alles andere
Ob Glück oder Unglück
Soll ruhig kommen
Ich bin bereit – Ich bin hier
Und warte
Wie schon so oft

15.10.1994, 18.50 Uhr, Saarbrücken